• Anna Pribil

Wald im Klimawandel

Unsere Wälder sind stark betroffen vom Klimawandel. Es kommt aufgrund von zu großer Hitze und Trockenheit zu Waldsterben insbesondere die Fichte ist problematisch. Andererseits sind die Wälder große Kohlenstoffsenken, die CO2 aus der Luft aufnehmen und somit zu einer Verringerung der Treibhausgase in der Atmosphäre beitragen.


Welcher Wald kann nun am meisten CO2 speichern und somit den größten Beitrag zum Klimaschutz leisten? Urwald oder Wirtschaftswald?


Hier findet man sehr unterschiedliche Meinungen und „Studien“. Der Biomasseverband geht davon aus, dass ein Wirtschaftswald zehnmal mehr Kohlenstoff speichern kann als ein unbewirtschafteter Wald.2


Dieses Ergebnis kommt zustande, weil angenommen wird, dass das geerntete Holz automatisch fossile Energiequellen ersetzt und somit sehr viel CO2 eingespart werden kann (Substitution).3


Man geht auch von einer nachhaltigen und naturnahen Forstwirtschaft aus in der keine Kahlschläge entstehen, sondern nur so viel entnommen wird, wie in einem Jahr auch wieder nachwachsen kann.


In anderen Quellen findet man jedoch Hinweise darauf, dass in einem Wildnisgebiet der Dichtstand der Pflanzen sehr viel höher ist und diese somit in der Lage sind viel mehr Kohlenstoff zu speichern als in einem Wirtschaftswald. Außerdem ist in einem Urwald auch so viel Totholz, welches sich nur langsam zersetzt und in dem auch noch Kohlenstoff gespeichert ist vorhanden, dass ein Wirtschaftswald nicht mithalten kann. Die dicke Humusschicht am Boden ist zusätzlich auch noch ein Kohlenstoffspeicher.

Man kann sagen, dass ca. gleich viel Kohlenstoff, wie im stehenden Wald gespeichert ist, auch im Boden (im Humus und Totholz) gespeichert ist.4 Die Lösung für einen naturnahen Wald bzw. Dauerwald sind jedenfalls Einzelstammentnahme und Naturverjüngung. Kahlschläge sollten vermieden werden. Durch Einzelbaumnutzung kann Bodenkohlenstoff sogar noch um 5-10% erhöht werden.5


Neben dem Klimawandel darf man aber auch die Biodiversitätskrise nicht aus den Augen verlieren. Wildnisgebiete schaffen Rückzugsorte für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und sind schon allein aus diesem Grund besonders wertvoll.



Wie sieht ein klimafitter Wald aus?


Dass die Fichte als „Brotbaum“ längst ausgedient hat, sollte mittlerweile jedem klar sein. Die immer heißer werdenden Sommer und der geringe Niederschlag, führen bei der Fichte zu starkem Hitzestress und wie wir z.B. im Waldviertel gesehen haben zu einem nahezu Totalausfall.


Monokulturen sind nie sinnvoll, da eine einzige Baumart nicht flexibel genug ist, weder bei „Schädlingsbefall“ noch bei extremer Trockenheit, Sturmschäden oder anderen Katastrophen. (Ich setze „Schädlinge“ bewusst unter Anführungszeichen, weil ich den Begriff nicht besonders mag. Wir Menschen teilen die Tiere in Kategorien von Nützlingen und Schädlingen, aber in der Natur gibt es in Wirklichkeit nur ein Ökosystem, welches sehr komplex ist und dessen Strukturen wir Menschen noch gar nicht genau verstanden haben. Alles hängt zusammen, der Mensch greift ein, vernichtet einen „Schädling“, somit fehlt plötzlich ein wichtiges Puzzleteil im System und alles entgleist.)


Bei Monokulturen sind die Bäume meistens auch noch alle gleich alt, weil sie zugleich gepflanzt wurden. Auch das ist eher ungünstig. Ein gesunder, klimafitter Wald ist ein naturnaher Mischwald. Mit heimischen und dem jeweiligen Standort angepassten Pflanzen in einer heterogenen Altersstruktur. Veteranenbäume spenden Schatten, damit sich am Boden eine Naturverjüngung entwickeln kann und wenn irgendwann der alte Baum, eines natürlichen Todes stirbt, wartet schon die nächste Generation darauf in die Höhe zu schießen.


Doch Wald und Klimawandel befinden sich derzeit in einem Teufelskreis. Entwaldung durch Abholzung der Wälder oder Brände heizt den Klimawandel an und durch die Hitze und Trockenheit sterben noch mehr Bäume. Eigentlich gilt der Wald als die grüne Lunge der Erde und ist neben den Ozeanen und Böden einer der größten Kohlenstoffsenken.


Auch ein bewirtschafteter Wald kann ein klimafitter Wald sein, wenn er möglichst naturnah bewirtschaftet wird. Hierzu gibt es einen zwölf Punkteplan vom Naturschutzbund Deutschland (2019), welcher unter anderem empfiehlt Naturverjüngung zu fördern, ökologisch ohne Einsatz von Pestiziden zu bewirtschaften und mindestens 10 % der Waldfläche als Wildnisgebiete unter Schutz zu stellen.1


Holznutzung kann sich in bestimmten Fällen auch sehr positiv auf die Kohlenstoffspeicherung auswirken. Denn vor allem Holz, das als Bauholz oder in Produkten (z.B. Möbel) verwendet wird, speichert den Kohlenstoff sehr lange und im Wald kann ein neuer Baum nachwachsen. Holz zu verheizen wird auf Dauer nicht die Lösung sein, kann aber kurzfristig dazu beitragen aus den fossilen Energiequellen auszusteigen.


Hier gibt es eine Diskussion zu dem Thema: Was ist los in unseren Wäldern? bei der ich mitdiskutieren durfte.


Quellen


1 Naturschutzbund Deutschland. NABU (2019). Wald und Forstwirtschaft im Klimawandel. Natur für sich arbeiten lassen: Stabilisieren – Wiederherstellen. Berlin.

2 Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft (2017). Kein Wald bindet so viel CO2 wie ein bewirtschafteter Wald. Abgerufen am 08.10.2020 von https://www.holzistgenial.at/blog/kein-wald-bindet-so-viel-co2-wie-ein-bewirtschafteter-wald/

3 NABU - Naturschutzbund Deutsch (2020). Wälder und Klimaschutz. So speichern Wälder Kohlenstoff. Abgerufen am 08.10.2020 von https://www.speicherwald.de/wald-und-klimaschutz/22578.html

4 ORF. Steiermark heute. (2020). Steiermark – Land des Waldes. Abgerufen am 04.10.2020 von https://steiermark.orf.at/studio/stories/322/

5 Universität für Bodenkultur Wien (2020). Die Klimaschutz-Funktion des Waldes. Abgerufen am 08.10.2020 von https://boku.ac.at/wabo/waldbau/forschung/fachgebiete/bewirtschaftungskonzepte/waldbewirtschaftung-und-klimaaenderung/klimaschutz-funktion

6 Wohlleben, Peter (2015). Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt. München: Ludwig.

7 Arnold, Walter (2006). Rotwild hat im Winter weniger Appetit. Überfluss schafft Überdruss. Der Anblick (9). 10-13. Abgerufen am 09.10.2020 von https://www.vetmeduni.ac.at/fileadmin/v/fiwi/pub/anblick/arnold%209-2006.pdf

8 Steirische Landesjägerschaft (2020). Auerwild. Abgerufen am 04.10.2020 von http://www.jagd-stmk.at/wildtiere/auerwild/

9 NABU Schleswig-Holstein (2015). Sind Jagd und Naturschutz vereinbar? Eine funktionelle Betrachtung. Abgerufen am 08.10.2020 von https://schleswig-holstein.nabu.de/politik-und-umwelt/landnutzung/jagd/fakten-hintergruende/03841.html

10 Bund Naturschutz in Bayern (2020). Borkenkäfer im Nationalpark: Totengräber oder Geburtshelfer des Waldes? Abgerufen am 08.10.2020 von https://www.bund-naturschutz.de/bund-naturschutz/erfolge-niederlagen/nationalpark-bayerischer-wald/borkenkaefer-im-nationalpark.html

11 Universität für Bodenkultur Wien (2020). Auswirkungen der Klimaänderung für einen WaldbesitzerIn/ Forstbetrieb. Abgerufen am 08.10.2020 von https://boku.ac.at/wabo/waldbau/forschung/fachgebiete/bewirtschaftungskonzepte/waldbewirtschaftung-und-klimaaenderung/forstbetrieb

12 Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft (2019). 10 Fakten zum Wald in Österreich. Abgerufen am 08.10.2020 von https://www.holzistgenial.at/blog/10-fakten-zum-wald-in-oesterreich/


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Anna Pribil, BEd. BSc. MSc.    |    Gams 89, A-8922 Landl    |    +43 664 4599013    |    anna.magdalena.pribil@gmail.com

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